von Bernstorff

Christian Günther

Graf v. Bernstorff
* 02.04.1769 | † 28.03.1835
Seite im Buch: 196

Königlich dänischer, dann Königlich preußischer Außenminister

 

1769 - 1835
auf Dreilützow
Königlich dänischer, dann Königlich preußischer Außenminister

 

Andreas Peters Sohn Christian Günther wuchs als aufgeklärter Europäer in Kopenhagen auf, er wurde durch Privatlehrer unterrichtet und bald auf die politische Laufbahn vorbereitet. Erste diplomatische Missionen führten ihn nach Schweden, Berlin, Stockholm und nach St. Petersburg. Nach dem Tod seines verehrten und berühmten Vaters 1797 wurde er nach Kopenhagen gerufen und wurde Staatssekretär für äußere Angelegenheiten, 3 Jahre später, mit 28 Jahren, wurde er zum Nachfolger seines Vaters als Außenminister ernannt. 1799 gelang es noch einmal mit Russland, Preußen und Schweden die dänische Neutralität zu wahren und sich aus dem 2. Koalitionskrieg gegen Frankreich herauszuhalten. Diese Neutralität wurde vor allem von England ständig bedroht und führte 1801 und 1807 zur Bombardierung Kopenhagens und zu einer Seeschlacht gegen die englische Flotte. Napoleon, der 1806 von Berlin aus die Kontinentalsperre gegen England verkündet hatte, die allen europäischen Häfen die Einfuhr englischer Waren verbot, und England zerstörten die mehrfach erneuerte (bewaffnete) Seeneutralität, auf die der dänische Handel existentiell angewiesen war und die "Ruhe des Nordens", welche Dänemark unter den Bernstorffs eine jahrzehntelange Phase des Friedens beschert hatte. Christian Günther nahm 1810 seinen Abschied als dänischer Außenminister, wurde 1811 dänischer Gesandter am Wiener Hof, und 1815 nahm er für Dänemark am Wiener Kongreß teil. Hier verlor Dänemark Norwegen, doch gesellschaftlich sind die Auftritte weitaus glanzvoller, was sich in den Aufzeichnungen seiner Frau Elise dokumentiert, die ein Buch darüber geschrieben hat (siehe Literatur). 1817 wurde Christian Günther zum dänischen Gesandten in Berlin ernannt, doch kurz darauf warb Friedrich Wilhelm III. ihn in preußische Dienste ab, er macht ihn zum Außenminister. Hier galt er zunächst als Schüler Metternichs, also als Feind von Reformen, Befürworter der Karlsbader Beschlüsse (1819) und der Demagogenverfolgung.

 

Ab 1825 kann man jedoch wieder eine liberalere Haltung bei ihm beobachten, er wurde zum moderaten Reformer, setzte sich für die Beteiligung neuer Elemente an der Politik ein, ohne allerdings eine Verfassung zu fordern. Angesichts der Pariser Julirevolution und der sich anschließenden Krise in Europa mahnte er, wie kein anderer, wieder ganz im Sinne der Familientradition, zur Bewahrung des Friedens und einer Nichteinmischung Preußens, Österreichs und Rußlands in die inneren Angelegenheiten Frankreichs.

 

Er unterstützte die Herausgabe des Periodikums "Historisch-Politische Zeitschrift" und beeinflußte das Konzept des jungen Historikers Leopold Ranke. Ihr politisches Konzept war ein friedliches Nebeneinander verschiedener Regierungsformen in den deutschen Landen und Europa. Radikale Reformen bzw. Revolutionen sollten durch moderate Reformen überflüssig gemacht werden. Durch eine Lockerung der Zensur, transparentere Politik und die öffentliche Diskussion dieser Politik in der neuen Zeitschrift sollte die Mittelschicht an der Politik teilnehmen. Bernstorff hielt es für Preussens Aufgabe, die Differenzen innerhalb der Vielzahl deutscher Länder und Völker und deren Regierungs- und Wirtschaftsformen auszugleichen, Zölle abzubauen und eine Union der deutschen Regierungen und Völker zu befördern. Dieser konservative und moderate Reformkurs war den reaktionären Anhängern Metternichs, die ihren Einfluß bei Preußens König geltend machten, zu liberal und zu propreußisch. Bernstorff stürzte im Mai 1832 schließlich über seinen Entwurf zu einer Lockerung der Pressezensur.

 

Literatur


Baack, Lawrence, J.: Christian Bernstorff and Prussia, Diplomacy and Reform Conservatism 1818-1832, New Brunswick, New Jersey 1980

Anonymus: Nekrolog des Königl. Preußischen Geheimen Staats- und Kabinets-Ministers Herrn Christian Günther Grafen von Bernstorff, Sonderdruck aus Nr. 109 der Allgemeinen Preußischen Staats-Zeitung von 1835, Berlin 1835

Portraits

Graf v. Bernstorff Graf v. Bernstorff
Graf v. Bernstorff Graf v. Bernstorff
Graf v. Bernstorff Graf v. Bernstorff
Graf v. Bernstorff Graf v. Bernstorff
Königlich dänischer, dann Königlich preußischer Außenminister

Anekdote

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Verheiratet:
Vater:
Andreas Peter
Mutter:
Geschwister:
Andreas Christian Gottlieb
Sophie Magdalene Charlotte
Johann Hartwig Ernst
Christian Günther
Sophie Magdalene Charlotte
Joachim Friedrich
Luise Henriette
Emilie Hedwig
Carl Andreas Christian
Übersicht Ereignisse und Besonderheiten

Politiker & Diplomat

Königlich dänischer, dann Königlich preußischer Außenminister

 

Christian Günther wurde von Privatlehrern erzogen. Sein Vater gewährte ihm bereits frühzeitig Einblick in seine Arbeit. Bereits mit 18 Jahren war er im dänischen Außenministerium auf verschiedenen diplomatischen Posten tätig. 1789 ging er als Legationssekretär mit seinem Onkel Friedrich Stolberg, des dänischen Gesandten in Preußen, nach Berlin. Bereits 1791 übernahm er den Posten und wechselte 1794 in der gleichen Position nach Stockholm. Nach dem Tod seines Vaters 1797 wurde er dänischer Staatssekretär in Kopenhagen und 1800 zum Minister des Auswärtigen befördert. Aufgrund seiner verunglückten Politik einer bewaffneten Neutralität gegenüber Großbritannien trat er 1810 aus dem aktiven Ministerdienst zurück und ging als dänischer Gesandter nach Wien, wo er 1815 am Wiener Kongress teilnahm, bei dem Dänemark Norwegen verlor.

 

Nach seiner Rückkehr nach Dänemark wurde Bernstorff erneut als Diplomat nach Preußen entsandt. 1818 warb ihn Friedrich Wilhelm III. ab. Bernstorff trat in preußische Dienste und übernahm als Staats- und Kabinettsminister das bis dahin von Karl August von Hardenberg geleitete Außenministerium. Während seiner Ministertätigkeit unterstützte Bernstorff die restaurative Politik und befürwortete die Demagogenverfolgung. Große Verdienste erwarb er sich bei der Herstellung der Zollvereinigungen deutscher Einzelstaaten mit Preußen, der Grundlage des späteren Deutschen Zollvereins. Das Amt des Ministers des Auswärtigen, bei dem er zunächst im Schatten Klemens Wenzel Lothar von Metternichs stand, legte er 1832 infolge seines schlechten Gesundheitszustandes nieder. Bis zu seinem Tod gehörte er aber zu den engsten persönlichen Beratern des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.